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Archive for November 2018

Seit ein paar Wochen haben wir in unserer Gemeinde einen Premiumwanderweg – den Itzenplitzer Pingenpfad. Die Tourismus- und Kulturzentrale hat mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern jede Menge Arbeit in die Vorbereitung und Umsetzung dieses wunderschönen Wanderweges gesetzt. Der Pingenpfad ist ein ca. 8km langer Rundweg mit vielen interessanten Stationen, an denen die Geschichte der Gemeinde und des Bergbaus in saarländisch und hochdeutsch den Wanderern nahe gebracht wird.

Die Landschaft zwischen den ehemaligen Bergwerken Reden und Itzenplitz weckte bereits vor mehr als 300 Jahren die Neugier der Menschen auf die Herkunft der hier entdeckten schwarzen „brennenden Steine“, die sie auf verschiedene Art zu nutzen wussten. Mit dem Brennen des Kalkes zum Düngen der Felder, mit der „Verkokung“ zum Schmelzen des Erzes, mit der Verrußung und Verflüssigung zur Teerproduktion und zur Farbherstellung wurde damals mit einfachen Techniken die spätere komplexe Kohlechemie vorweggenommen. Zahlreiche Spuren dieser unterschiedlichen Tätigkeiten sind noch bis heute in der Landschaft zwischen den beiden ehemaligen Bergwerken Reden und Itzenplitz sichtbar.

Die Tour startet am Ende des Wanderparkplatzes am Itzenplitzer Weiher im Naherholungsgebiet Itzenplitz in Heiligenwald. Den Eingang bildet ein Tor aus alten Bergbauprofilen, die untertage für den Steckenausbau genutzt wurden. Das erste Stück des Weges geht es über einen Pfad bergauf. Wir erreichen einen breiten Wanderweg, auf dem man auch direkt schon an der Station die ersten Informationen erhält.

Station 1: Die Schlafhäuser

Um den aus weiter entfernten Gebieten angeworbenen Arbeitskräften während der Arbeitswoche eine angemessene Unterkunft zu gewährleisten, erbaute die Grubenverwaltung zwischen 1857 und 1871 an den Grubenstandorten Reden und Itzenplitz drei „bergfiskalische“ Logierhäuser, Schlafhäuser genannt. In den in Itzenplitz errichteten beiden Häusern konnten 440 Bewohner gegen Zahlung des üblichen Satzes von zwei Mark pro Woche – Miete und Kosten für Bettzeug, Handtuch, Licht, Heizung, Reinigung, Wasser, Feuer und Kochen auf Gemeinschaftsherd inbegriffen – untergebracht werden. Die beiden längst abgerissenen Schlafhäuser standen am südwestlichen Rande des heutigen Gewerbegebietes in Heiligenwald.

An der Einmündung der Weiherstraße zur Itzenplitzstraße errichtete um die Jahrhundertwende der Unternehmer Lorenz Riehm ein weiteres privates Schlafhaus für 70 Mieter. Dank der heutigen Eigentümerfamilie Architekt Rudolf Kirsch konnte das Haus mit der restaurierten Original-Fassade erhalten werden.

Nach diesen ersten Informationen geht es weiter bergauf. Der zweite Infopunkt berichtet über die ersten Ansiedlungen in Heiligenwald.

Station 2: Die Kolonie

Erste Ansiedlungen auf den Fluren „Kleinheiligenwald“ und „Maibrunner Feld“

Die Absicht, auf der Flur „Kleinheiligenwald“, nördlich der neu gegründeten Grube Reden, Bergarbeiter anzusiedeln, stieß zunächst auf große Schwierigkeiten. Die Regierung zu Trier gab keine Genehmigung zur Abholzung des Waldes auf dem Südhang, auf dem die Siedlung errichtet werden sollte.

Erst nach langwierigen Verhandlungen konnte die Bergbehörde gegen Tausch des Hofgutes Neuhaus bei Fischbach und des Warnetshofes bei Karlsbrunn mit dem Kleinheiligenwald-Distrikt ihre Absicht verwirklichen. So entstand von 1856 bis 1866 zwischen den beiden neu angelegten Straßen Karlstraße im Norden und Kaiserstraße im Süden die erste Bergmannssiedlung. Mehr als 1.300 Bergleute fanden dort mit ihren Familien ihre neue Heimat in einem der 110 in Eigenleistung errichteten Wohnhäuser.

1902 errichtete das Bergwerk Reden am Nordhang des Hüngersberges eine Straßensiedlung aus 32 Doppelhäusern. Sie wurde nach der Frau des damaligen Grubendirektors Liesenhoff Margaretenstraße genannt. „Am Sonnenberg“ entstand 1912 eine aus 20 Doppelhäusern bestehende Villenkolonie. Die Wohnungen waren wie die der Siedlung Schachtstraße im „Grubenwald“ am Eingang zum Höfertal für Grubenbeamte vorgesehen. Im Grubengelände Itzenplitz errichtete die Bergwerksleitung eine Kleinsiedlung an der Itzenplitzstraße für Grubenbeamte.

Wir kommen nach ein paar Metern an einen wunderschönen Aussichtspunkt mit Sinnesbank und einer Tischgruppe zum verweilen. Vob hier aus bietet sich dem Wanderer ein Ausblick über den Iltzenplitzer Weiher mit seinem einzigartigen Pumpenhäuschen.

Station 3: Halde mit Aussichtspunkt / Sinnesbank

Die Grube Itzenplitz bringt Schiffweiler in eine Notlage

Im Jahre 1868 sah sich die Gemeinde Schiffweiler nicht mehr in der Lage, den ständig steigenden Kommunalbedürfnissen Rechnung zu tragen, und wandte sich an den zuständigen Bürgermeister von Ottweiler mit der Bitte um Abhilfe. Verantwortlich für diese Notlage war vor allem die Grube Itzenplitz.

Nach der Inbetriebnahme der Grube Reden und Itzenplitz hatte sich die Bevölkerungszahl in Schiffweiler in wenigen Jahren bis 1868 weit mehr als verdoppelt. „Unständig Bergleute“ und ihre Familien waren auf Sozialhilfe angewiesen. Aber es war nicht nur die „Armenpflege“, die die Gemeindekasse belastete. Ständig musste neuer Schulraum geschaffen, die Wege zur Grube, durch Kohlentransporte stark belastet, mussten ausgebessert, Spanndienste geleistet und Abgaben erbracht werden – von den Bauern und nicht von den mittellosen Bergleuten. Soziale Spannungen waren vorprogrammiert.

Das Dilemma, in dem sich Schiffweiler befand: Die Grube Reden lag auf Landsweiler Bann und Itzenplitz nur wenige Meter hinter der Banngrenze entfernt auf Wemmetsweiler Bann. Dorthin flossen die Steuern und Abgaben der Grube Itzenplitz. Das kühne Ansinnen des Schiffweiler Gemeinderates, die „gedachte Zeche Itzenplitz von der Gemeinde Wemmetsweiler abzutrennen“ und Schiffweiler zuzuteilen, fand kein Gehör.

Weiter geht es auf einem längeren Teilstück über Pfade und breitere Wegstecken hinunter zum Itzenplitzer Weiher. Wir erreichen über einen Damm, der den großen Teil des Weihers von einem kleineren Fischweiher teilt die Seerosenbank. Hier kann man im Sommer viele Seerosen betrachten, die irgendwann mal von einem Gartenteichbesitzer eingesetzt wurden und sich seither starkt vermehren.

Wir überqueren einen weiteren Damm, bevor es dann in den Wald geht. Es folgt eine Abzweigung vom breiten Weg nach rechts und der Weg führt leicht abschüssig auf einem schmalen Pfad über einen Bachlauf. Nach einem leichten Anstieg biegt der Pfad nach links und danach erneut leicht nach links ab mit leichtem Gefälle. Nach erneuter Überquerung des Bachlaufs geht es bergauf nach rechts auf einen breiteren Wegeabschnitt. Der Weg führt nun auf weichem Waldboden durch dichtes Gehölz am Wegrand und steigt langsam auf. Wir erreichen die Station 4.

Station 4: Holzer Konglomerat

Die hier vorkommende betonartige Gesteinsschicht ist das Holzer Konglomerat. Sie ist jedem Bergmann bekannt. Die Bildung der Steinkohle geschah im Erdzeitalter des Karbons vor etwa 250 bis 310 Millionen Jahren. Die saarländisch-lothringische Karbonschicht weist eine Mächtigkeit von 4.500 m auf. Innerhalb dieser Schicht liegen 560 Kohleflöze mit insgesamt etwa 120 m Steinkohle.

Die Geologen haben die Lagerstätte in die unteren Saarbrücker Schichten und die darüber liegenden Ottweiler Schichten aufgeteilt. Zwischen beiden Schichten liegt als besondere geologische Schicht das Holzer Konglomerat. Es bildet eine Trenn- und wichtige Leitschicht für Geologen und Bergleute.

Seine Entstehung ist zurückzuführen auf die Abtragung von Geröllmassen vor Jahrmillionen aus den Gebirgsrändern des Hunsrücks und der Vogesen. Die durch Erosion gelösten harten Gesteinsmassen gelangten in der Zeit des Karbons in die dazwischen liegende Senkungsmulde von etwa 50 km Breite und 175 km Länge, welche durch Erdbewegungen entstanden war. In dieser Mulde bildeten sich im Karbon auch die großen Sumpfwälder, die später durch den Druck überlagerter Erdschichten zu Steinkohle wurden.

Am höchsten Punkt des Premiumweges erreichen wir Station 5.

Station 5: Eisenausfällungen an Wasserquellen im Wald

Die auffällig rotbraun leuchtenden Färbungen der Bachläufe in diesem Gebiet gehen auf die Wechsellagerung von tonigen Sandsteinen und Tonsteinen mit Anteilen von kohlenstoffhaltigem Material (nur wenige Prozent) zurück.

Gelöste Eisen Ionen liegen 2-wertig vor und bewirken keine Wasserfärbung. Beim Kontakt mit Luftsauerstoff wird das Eisen weiter oxidiert und wird 3-wertig. Dabei flocken diverse Eisenoxide, die wasserunlöslich sind, aus und bilden einen gelb-orange-roten Niederschlag, der sich im Laufe der Zeit etwas verfestigen kann und eine Anzahl unterschiedlicher Eisenoxide und Hydroxide bildet (sogenannte Raseneisenerze, die sehr rein sind, aber nicht in verwertbaren Mengen in der Natur vorkommen).

Die komplexe Zusammensetzung der Erze, die in seltenen Fällen ein wenig Mangan (schwarze Farbe oder dunklere Rottöne) enthalten, werden in der Geologie auch Sesquioxide genannt. Diese Erze wurden von unseren Vorfahren zur Eisenzeit gesammelt und zur Eisenverhüttung in Brennöfen verwendet.

Auf einem breiten Forstweg befindet sich dann die nächste Information zum ehemaligen Bergbau.

Station 6: Kallenbrunner Schacht

Angeschlagen im Jahre 1900 und aufgefüllt 1938. Der Schacht führte zur 3. Tiefbausohle hatte eine Tiefe von 337 m und einen Durchmesser von 6 Metern. Er diente als „Wetterschacht“. Der Begriff „Wetter“ bezeichnet im Bergbau die Gesamtheit der in einem Bergwerk befindlichen Luft. Die Bezeichnung stammt aus einer Zeit als man glaubte, dass die durch ein Bergwerk strömende Luft tatsächlich noch von der meteorologischen Wetterlage abhing. Diese Form der Wetterführung nannte man eine „wilde Wetterführung“.

Es haben sich in der Bergmannssprache weitere Bezeichnung für die Wetter eingebürgert:

  • Frische Wetter für die unverbrauchte frische Luft
  • Matte Wetter für verbrauchte und erstickend wirkende Luft mit einem geringen Anteil an Sauerstoff
  • Schlagende Wetter mit einem Anteil an explosiven Gasen in der Luft meistens Methan
  • ein- bzw. ausziehende Wetter für die in den Grubenbau ein- bzw. ausströmende Luft.

Zur Regulierung der Wetter werden jeweils von zwei Schächten einer als anziehend und der zweite als ausziehend angelegt.

Vor allem die schlagenden Wetter sind wegen der großen Explosionsgefahren im Bergbau gefürchtet. Zu den zerstörenden Wirkungen einer Schlagwetterexplosion tritt noch die Erstickungsgefahr der vor Ort arbeitenden Bergleute durch die matten Wetter. Die Explosionen verbraucht auf einen Schlag sämtlichen Sauerstoff der Luft Untertage und reichert sie mit giftigem Kohlenmonoxid an.

In den Bergwerken wird die Wetterführung mit Hilfe großer Ventilatoren durchgeführt die unabhängig von der herrschenden Witterung die Grube über den sogenannten „Wetterschacht“ mit frischer Luft versorgen.

Nach diesen Informationen wandern wir über einen schönen Pfad, vorbei an einem neu errichteten Windrad durch den Kerpenwald.

Station 7: Der Kerpenwald

Im Kerpenwald, wie sich das Waldstück In diesem Gebiet nennt, treten die Kohlenflöze Übertage aus. Der dortige Kohlenreichtum war bereits seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts bekannt.

An der nächsten Kreuzung geht es nach rechts und dann geradeaus über eine Anhöhe zur Gaststätte Altsteigershaus, deren Biergarten zu einer Erfrischung einlädt. Dieses Gasthaus gibt es seit rund 230 Jahren. Grubensteiger Franz Zentz hat anno 1784 von Lothar Franz von Kerpen die Erlaubnis erhalten, Bier, Branntwein und Tabak zu verkaufen. Das  „Alt Steigerheisje“, wie es von den Gästen liebevoll genannt wird, ist heute noch im Familienbesitz. Unmittelbar vor der Gaststätte führt der Weg vorbei an einer Informationstafel nach rechts auf einen Fahrweg.

Weiter durch den Wald, erreichen wir nach einiger Zeit die alten Pingenfelder.

Station 8: Die Pingenfelder

Die ersten Kohlen-„Gruben“

Hier ließ 1754 die Kerpensche Herrschaft die ersten Kohlegruben auf der Flur „Rotstall“ und „Auf Steinseiters“ anlegen, nachdem sie die wilde Kohlengräberei verboten hatte. Der Abbau erfolgte dort wo die Flöze über Tage anstehen, in runden oder ovalen Löchern. Hier befindet man sich im größten Pingenfeld des Saarbergbaus. Es erstreckt sich vom Altsteigershaus bis zum Ende der Rußhütterstraße.

Bei einer Kartierungsaktion konnten über 300 Grab-Pingen aufgenommen werden. Sie sind einmalig im gesamten Saarbergbau-Bereich. Am östlichen Ende des Waldstücks wurde 1898 eine Gedenk-Eiche gepflanzt, die bis heute als Naturdenkmal erhalten ist. Höhe ca. 18 m, Umfang ca. 2,80 m.

Hier kann man es sich auf einer Ruhebank neben einem alten, aus Holz gearbeiteten Hauer (so nannte man die Bergleute) gemütlich machen und sich für die restlichen Kilometer der Tour ausruhen. Jetzt geht es wieder über schmale Waldwee bergab. Im Tal erreicht man dann die Siedlung „Rußhütte“.

Station 9: Die Rußhütte

Im südlichen Abschnitt des erwähnten Pingenbereichs wurden um 1750 eine „Ruß-Hütte“ mit fünf Ruß-Öfen errichtet, die monatlich 50 Fuder (Wagenladungen) Kohlen gebrauchten. Pro Fuder wurden 55 Pfund Ruß und 8 Zentner Praschen (Koks) produziert. Der durch Verkokung von Steinkohle erzeugte Ruß diente zur Herstellung von Teer und Pech als Färb- und Abdichtmittel das zum Beispiel im Schiffsbau verwendet wurde. Die übrig gebliebenen Praschen (Koks) nutzte man zur Verhüttung von Eisenerz und zur Herstellung von Glas in den nahen Glashütten.

Die Rußhütte hatte bei der Auflösung im Jahr 1871 86 Bewohner, die in sieben einfachen Lehmhütten wohnten. Sie gilt als „Keimzelle“ des Ortes Heiligenwald. Noch heute erinnern der Name sowie zahlreiche Geburtseintragungen von Heiligenwalder Bürgerinnen und Bürgern im damals zuständigen Illinger bzw. Uchtelfanger Standesamtsregister an die Rußhütte. An bestimmten Stellen des Standortes der Rußhütte sind bis heute beim Graben noch Aschereste auffindbar.

Station 10: Hartfießler und Ranzenmänner

Der Bergmannspfad

In einer Zeit, wo „Nahverkehrsmittel“ noch unbekannt waren, ergab sich für die Grubenverwaltung schon bald die Notwendigkeit der Anlegung von Straßenverbindungen zwischen Reden und den Itzenplitz-Schächten. 1871 wurde der noch heute bestehende „Bergmannspfad“ für die Bergleute der beiden Gruben Itzenplitz und Reden aus den Dörfern Raßweiler, Hüttigweiler, Urexweiler und Marpingen, Alsweiler, Tholey, Theley bis hinauf nach Selbach angelegt.

Es war einst der berühmte „Hartfießer“- oder „Ranzenmann-Weg“, der entlang dem Grubengelände, an der Steinseitersiedlung, dem „Hamrich“ und am Tafelbrunnen vorbei über den Michelsberg in Wemmetsweiler und von dort über Wiesen und Felder in die genannten Dörfer führte. Der durchweg drei Meter breite Weg war Fußgängern vorbehalten, Schilder wiesen darauf hin, dass Reiten und Viehtreiben verboten ist. Bis heute ist er ein beliebter Wanderweg geblieben.

Station 11: Die Grube Itzenplitz

Auf dem schmalen Fußweg in Richtung Itzenplitz, ein Teilstück des Bergmannspfades, kommen die noch im Originalzustand befindlichen Bauwerke der ehemaligen Grube ins Blickfeld: Über der Rückseite der Schachthalle das auffällige Gerüst von Schacht 3, dem zweitältesten in Deutschland noch existierenden Grubenschacht.

Im Zuge der Erweiterungen der Grube Reden wurde zur Verkürzung der Transportwege im Rußhütter Tal bei Heiligenwald 1856 mit dem Rußhütterstollen ein neuer Grubenstollen angeschlagen. 1860 wurde mit dem Abteufen des ersten Tiefbauschachtes Itzenplitz I begonnen. Im gleichen Jahr wurde die knapp 1,9 km lange Bahnstrecke von Reden zur Grube Itzenplitz erbaut.

1872 wurde der Itzenplitzschacht II bis zur Redensohle abgeteuft. In den folgenden Jahren wurde ein Zechenhaus, eine Schreinerei und eine Schmiedewerkstatt erbaut. 1864 erhielt die Grube den Namen des preußischen Handelsminister Graf Heinrich Friedrich von Itzenplitz. 1878/ 79 wurde ein Weiher mit einem Pumpenhaus errichtet, der heute den Kern des Naherholungsgebiets Itzenplitz bildet. Das Wasser wurde zum Betrieb der Dampfmaschinen zur Förderung gebraucht.

1886 wurde Schacht III abgeteuft, dessen Fördergerüst heute das älteste noch erhaltene an der Saar ist. 1894/ 95 wird eine Kohlenwäsche errichtet. 1910 erhielt die Grube eine eigene Waschkaue. 1920 gingen alle Liegenschaften des Preußischen Bergfiskus an Frankreich über. 1935 kehren diese in den Besitz des Deutschen Reiches über. 1942/43 wurden die Rätterhalle und die Kohlenwäsche abgerissen. 1950 erhielt Schacht II ein neues Fördergerüst. Täglich fuhren mehr als 1200 Bergleute in Itzenplitz an.

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte aber auch der Niedergang der Anlage ein. 1958 wurde die Grube Nebenanlage der Grube Reden. 1960 wurde Itzenplitz dann als Förderstandort stillgelegt, Seilfahrt und Materialtransport wurden noch bis in die 1990er Jahre weiter betrieben.

Auch ich bin in den 80ern und 90er Jahren oft in Itzenplitz eingefahren. Dort hatte ich Übertage eine Pumpenanlage für die hydropneumatische Baustoffförderung eingebaut, mit der Beton nach unter Tage befördert wurde.

 

Station 12: Die Kirchen im Bergmannsdorf

Bergbau und Glaube

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wanderten zahlreiche katholische und evangelische Familien in die bergwerksnahen Dörfer Schiffweiler und Landsweiler ein. Um den neuen Wohnbezirk Kleinheiligenwald entstand das Bergmannsdorf Heiligenwald. Für das Seelenheil sorgten zunächst Pfarrer aus den umliegenden Ortschaften.

Auch in Heiligenwald wurde in den 1860er Jahren der Ruf laut, dass eine eigene Kirche für die Bergleute geschaffen werden müsse. Von 1866 bis 1868 ließ die Preußische Bergbaubehörde daher für die evangelische Vikarie einen einfachen Betsaal erbauen, den evangelische und römisch-katholische Christen gemeinsam nutzten bis die Katholiken 1887 eine eigene Kirche erhielten.

1906 wurde die Kirche der evangelischen Pfarrei übereignet. Noch im gleichen Jahr erhielt das Gebäude an der westlichen Schmalseite einen Turm. 1958/59 wurde der Innenraum modernisiert, eine Empore eingebaut und ein Glasfenster an der Chorrückwand installiert. Die Leitung übernahm der Neunkircher Architekt Rupprecht C. Walz. Um 1980 wurde der äußere Verputz entfernt und der alte Zustand wiederhergestellt. 1992 erhielt die Kirche eine Warmluftheizung, 2013 wurden Dachstuhl und Dach erneuert.

Station 13: Die ehemalige Badenanstalt am Weiher

Die Badeanstalt im Hintergrund auf dem westlichen Uferbereich war auf Initiative eines Schwimmvereins mit Unterstützung der Gemeinde Heiligenwald Mitte der 1930er Jahre errichtet worden. Sie wurde bald zum Mittelpunkt des Freizeitlebens vieler Heiligenwalder Familien.

An Sonn- und Feiertagen traf man sich auf der Liegewiese. Dort hatte der Verein zwei massive Holzgebäude in rustikalem Stil mit Umkleidekabinen, einem Aufenthaltsraum für die Bademeister und einem Kassenraum errichtet.

Am Badestrand lud ein etwa 3 m hohes Sprungbrett zu gewagten Sprüngen ins dort tiefere Wasser ein. Für Nichtschwimmer konnte eine mit Latten eingezäunte Pritsche an Stahltrossen je nach Wasserstand rauf und runter bewegt werden. In der Mitte des Weihers war eine aus Holzstämmen gezimmerte Insel für Schwimmer verankert.

Der Schwimmverein hatte mehrere Metallkähne angeschafft, die zu Ruderpartien einluden. An heißen Sommertagen, vor allem an Sonntagen, glich der Badebetrieb wahren Volksfesten. Unter den Klängen flotter Musik, die von einem Grammophon durch Lautsprecher ins Freie übertragen wurde, fand ein reges Freizeitleben statt: Sonnenbaden, Schwimmen, Picknick mit Limo und zwischendurch eine kleine Kahnpartie waren herrliche Vergnügen für Jung und Alt in der damaligen Zeit.

Übrigens hatte die Reichsknappschaft „im Interesse einer verstärkten Gesundheits-Fürsorge im Bergbau“ für alle Bergleute und deren Familienangehörigen die Gebühr für die Benutzung der Badeanstalt pauschal übernommen.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges war auch das Ende der Badeanstalt gekommen. Die Gebäude wurden samt Bretterzaun, Nichtschwimmer-Pritsche und Sprunganlage mutwillig zerstört. Das Holz verschwand restlos und wurde wahrscheinlich als Brennholz oder Bauholz verwendet. Der Schwimmverein Heiligenwald hatte im Jahr 1951 den Versuch unternommen, die Badeanstalt wiederaufzubauen. Der entsprechende Antrag war am 20.08.1951 genehmigt worden. Seine Verwirklichung scheiterte aber an den nötigen Finanzen. Ein wiederholter Versuch scheiterte 1957/58 an der fehlenden Zustimmung der Saarbergwerke AG.

Station 14: Das Pumpenhaus

Im Jahr 1877 war durch fortschreitende technische Ausweitung ein Mangel an Speisewasser für die auf beiden Gruben unterhaltenen Dampfkesselanlagen entstanden. Das hierfür bisher genutzte Wasser der Maibrunner Quellen konnten den Bedarf nicht mehr decken. Am Ostufer des Weihers errichtete daher die Grubenverwaltung 1878/79 ein Pumpwerk am nordöstlichen Weiherrand, dass die Dampfmaschinen an den verschiedenen Betriebspunkten der Gruben Itzenplitz und Reden speiste.

Im Jahr 1908 wird das mit starken elektrischen Pumpen arbeitende jetzige Pumpen-Maschinen-Haus über kreisrundem Sockel errichtet. Ein Steg führt zum Weiherufer. Das Bauwerk gilt wegen seiner Einmaligkeit als ein erhaltenswertes Unikat im deutschen Bergbau.

Mit der Station 14 geht die Wanderung über den Prmiumwanderweg „Der Pingenpfad“ zuende. Ein wirklich sehr gelungener, abwechslungreicher Rundweg, der sicherlich in den nächsten Wochen und Monaten viele begeisterte Wanderer anziehen wird. Eine gelungene touristische Bereicherung für den Ort, den Landkreis und unser schönes Saarland!

Übrigens: Nach dem Pingenpfad kann man noch einen Abstecher auf die nahe gelegene Bergmannsalm machen. Von dort hat man einen herrlichen Blick über das ganze Saarland, sogar bei Nacht eine einzigartige Location:

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