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Archive for Juni 2012

Bergbauende an der Saar – Sonderbeilage der SZ

In dieser Woche gehen 250 Jahre Bergbau zu Ende. Auch bei uns in der Familie war es Tradition, sein Geld im Bergbau zu verdienen. Viele Familienmitglieder arbeiteten auf den vielen Gruben, die es im Saarland gab. Ich fing 1978 mit einer Lehre als Energieanlagenelektoniker auf dem Bergwerk Reden an. Bis 1996, als die Grube geschlossen wurde, verbrachte ich dort eine anstrengende, aber sehr schöne Zeit. Zuerst arbeitete ich in „Bauershaus“, einer Außenanlage des Bergwerkes als Elektriker, nach dem Studium der Bergbautechnik von (1983-1988) dann bis 1998 als Bergbauingenieur. Die Grube Reden wurde 1996 geschlossen. Alles deutete damals schon auf ein Ende des Bergbaues hin. Daher beschloss ich, mein Glück in der freien Wirtschaft zu suchen. Seit 1998 arbeite ich nun als Unternehmensberater. Die Kameradschaft im Bergbau vermisse ich aber schon, obwohl mir der Job als Berater sehr viel Spaße macht.

Geschichte der Grube Reden:

Die Grube Reden war eine der bedeutendsten Gruben des Saarbergbaus und die Hauptgrube im östlichen Saarrevier. Beim Einrichten der Eisenbahnverbindung zwischen Bexbach, Neunkirchen und Saarbrücken, die einerseits den Anschluss an die 1849 eröffnete Pfälzische Ludwigsbahn (Ludwigshafen-Bexbach) und die 1851 fertiggestellte Linie Nancy – Metz – Forbach der Paris-Straßburger Bahn (Französische Ostbahn) herstellen sollte, wurden im Landsweiler Tal reichhaltige Kohlenvorkommen entdeckt und man entschloss sich, einen Stollen vom Klinkenthal in den Kohlenwald zu treiben.

Am 1. Juli 1846 erfolgte der feierliche Anschlag des Reden Stollens. Bereits ein Jahr später wurde der sogenannte Grubenwald abgeholzt und mit den Teufarbeiten am Tiefbauschacht Reden I begonnen. 1848 begannen erste Baumaßnahmen im Übertagebereich: Bau des Kesselhauses und des Fördermaschinengebäudes, Zechenhaus und Schmiede folgten 1849. Die Grube gehörte zu diesem Zeitpunkt noch zur Grube Heinitz.

Am 8. April 1850 wurde Reden eigenständige Grube und erhielt den Namen des ehemaligen preußischen Staatsministers Friedrich Wilhelm Graf von Reden (1752 – 1814). In diesem Jahr wurde der zweite Redenschacht angehauen, der 1851 die Stollensohle erreichte. Zu dieser Zeit arbeitete in Reden bereits eine Belegschaft von 466 Mann und 2 Steigern. 1854 wurde die Pferdeförderung eingeführt. 

Freiherr von Reden

1856 erfolgten die Teufarbeiten am Redenschacht III. Als Folge des planmäßigen Ausbaus des Grubenbetriebes wurde im gleichen Jahr mit der später „Itzenplitz“ genannten Grube ein neuer Förderpunkt begründet. Sie wurde mit einem 1900m langen Eisenbahnanschluss versehen, der am 07. August 1860 in Betrieb genommen wurde.

Am 20. Oktober 1864 ereignete sich im Flöz Kallenberg eine Schlagwetterexplosion, die 35 Bergleute das Leben kostete. Das Unglück war das erste größere Schlagwetterunglück, das auf schlagende Wetter zurückzuführen war. Als Konsequenz aus dieser Katastrophe wurde die „Muselersche Sicherheitslampe“ in Reden eingeführt. 

  • 1887 wird Redenschacht IV abgeteuft.
  • 1893 wird die Druckluft eingeführt
  • 1891 werden die Betriebseinheiten Reden-Fett und Reden-Flamm (Itzenplitz) geschaffen und der Redenschacht III wird Hauptförderschacht.

    Grube Itzenplitz um 1920

 Mit der Jahrhundertwende beginnen in Reden Um- und Ausbauten größeren Umfangs. Die Hauptanlage und alle Nebenanlagen werden renoviert, im Untertagebereich werden erste Schrämmaschinen eingeführt.

 Am 28. Januar 1907 erlebt die Grube Reden das schwerste Unglück ihrer Geschichte: Bei Schichtbeginn kam es zu einer Schlagwetterexplosion auf der 5. Sohle im Fettkohlenflöz Thiele, die eine Kohlenstaubexplosion nach sich zog. 150 Bergleute fanden den Tod, darunter auch mein Urgroßvater. Die Hälfte der Verunglückten stammte aus der heutigen Großgemeinde Schiffweiler.1914 erfolgt die Abteufung des Redenschachtes V, der als Doppelschacht konzipiert war.

 Nach Ende des ersten Weltkrieges übernahm im Jahre 1920 die „Mines Domaniales Francaises du bassin de la Sarre“ die Leitung der Grube. Während der Völkerbundzeit zwischen 1920 und 1935 erfolgte der Ausbau der Tagesanlagen. Die Steigerung der Förderzahlen machte eine Belegschaftsverstärkung notwendig und neue Arbeiterwohnsiedlungen entstanden. Auch die Villensiedlung „Sonnenberg“, in der meine Eltern heute noch wohnen, wurde in dieser Zeit gebaut.

 In diese Zeit (1920 bis 1926) fällt auch die Konzeptionierung und Anlage der Siedlung Madenfelder Hof. Durch fortschreitende Mechanisierung der untertägigen Arbeiten (ab 1927) und Rationalisierungen verminderte sich ab 1931 die Belegschaft auf Grube Reden wieder.

 Mit der Übernahme der Saargruben durch das Deutsche Reich am 01. März 1935 erfuhr das Bergwerk Reden eine umfassende Förderung. Nach dem Propagandabesuch des Reichsministers Hermann Göring am 11. November 1935 wurde Reden zu einer Musteranlage ausgebaut. Zwischen 1936 und 1942 entstand die Anlage in großen Teilen neu, zudem entstand die Kokerei Reden. Reden galt seitdem als eine der drei Musteranlagen dieser Zeit. Bis 1963 war sie die modernste Anlage des Saarbergbaues.

Während des zweiten Weltkrieges entstanden durch die Bombardierung im Übertagebereich große Schäden, die Förderung war dadurch jedoch nicht eingeschränkt. Die Arbeit untertage wird anfangs durch russische, später durch italienische Kriegsgefangene (besonders ab 1943) geleistet. Nach Kriegsende wurden die Saargruben zunächst von 1945 bis 1947 durch eine aus Amerikanern und Franzosen gebildete Kontrollkommission (CONAD Engeneer Mining Operating Group) betreut. Am 1. Januar 1948 nahm die „Regie des Mines de la Sarre“ ihre Tätigkeit auf.

Mitte der 80er Jahre

 Beim Übergang des Saarlandes an die Bundesrepublik Deutschland 1957 arbeiteten auf der Grube Reden mehr als 8.000 Bergleute. Dazu kamen noch etwa 450 Beschäftigte auf der Kokerei Reden. Durch die Bergbaukrise ab 1958 wurde in den Generalplänen I und II der Saarbergwerke AG Reden zum Hauptförderstandort im Ostrevier bestimmt. Über ehemals 10 selbständige Gruben von Sulzbach im Westen bis Bexbach im Osten, von St. Ingbert im Süden bis zum Grubenfeld Göttelborn wurden im Laufe der Jahre in die Anlage Reden integriert. Nacheinander waren diese Anlagen stillgelegt und deren Förderung im Verbundbergwerk Reden gebündelt. 1972 erhielt Reden einen neuen Bade- und Bürotrakt, der an das ehemalige Zechenhaus angelehnt wurde, wobei kein architektonischer Stilbruch begangen wurde.

 Bereits Mitte der 80iger Jahre sollte Reden geschlossen werden. Jedoch erhielt die Grube in Folge der Energiekrisen nach 1974 eine neue Chance. Übertage wurden die Kleinwerkstätten abgerissen und in einer großen Halle zentriert. Als letzte Baumaßnahme erfolgte Anfang der 80iger Jahre der Umbau der Kohlenwäsche und eine neue Verladeanlage. Die anhaltende Energiekrise erzwang im Bergbau weitere Rationalisierungsmaßnahmen. Im Zuge der Einsparmaßnahmen wurde so die Belegschaft von 8.200 Beschäftigten (1955) auf 2.936 Beschäftigte (1985) reduziert.

 Ende der 80er Jahre wurde der Zusammenschluss Camphausen, Reden und Göttelborn zum Verbundbergwerk Ost beschlossen. Camphausen wurde 1990 stillgelegt und fungierte seitdem als Nebenanlage. Reden und Göttelborn bestanden bis zum 31. Dezember 1995 separat weiter. Mit diesem Datum nahm das neue Verbundbergwerk Göttelborn-Reden seine Arbeit auf. Die Grube Reden wurde als selbständige Anlage geschlossen und die Förderung nach Göttelborn verlegt. In Reden blieben Restarbeiten, besonders in der Wasserhaltung, die zu den größten und modernsten in Europa zählt. Nach dem am 01. September 2000 auf dem Verbundbergwerk Göttelborn-Reden die letzten Kohlen gehoben worden waren, wurde die Wasserhaltung auf Reden konzentriert, so dass weiterhin 50 Beschäftigte dort arbeiten.

 Zukunft des ehemaligen Bergbauareals:

Sommeralm

Sommeralm auf der Bergehalde Reden

Heute wird das gesamte Grubenareal als Tourismusort genutzt. Neben dem Gondwana-Park, der 2009 eröffnet wurde, wurde die eheamlige Bergehalde Anziehungspunkt für Skater, Wanderer, Jogger und Mountainbiker. Jedes Jahr im Juli findet auf dem Haldenplateau die „SR3 Sommeralm“ statt, die tausende Besucher anzieht.

 Im Juni diesen Jahres wurde der 2,8 Mio. Euro teure Redener Wassergarten eröffnet. Zusammen mit der restaurierten Schachtanlage soll die Wasserlandschaft zu einem weiteren touristischen Anziehungspunkt im „Garten Reden“ werden.

 

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Ist die Deutschlandfahne gehißt? Sind die Fähnchen und Aufkleber am Auto befestigt? Ist genug Bier im Kühlschrank? Ist genug Deko-Material in schwarz-rot-gold vorhanden? Wenn all diese Fragen gestellt werden, ist es mal wieder soweit…

Deutschland hat wieder drei Wochen, um gemeinsam zu feiern. Die EM 2012 hat begonnen. Seit der WM 2006 gibt es alle zwei Jahre wieder ein Sommermärchen. Es ist „Schlaaannnddd-Zeit“. Überall gibt es Public-Viewing’s, Privatpartys finden in jedem zweiten Garten statt. Zumindest bei uns im schönen Saarland ist das so. Jeden Tag muss man an die vielen Tippspiele denken, bei denen man sich angemeldet hat. Auch das Panini-Album will gepflegt sein – Eigentlich bleibt nicht mehr viel Zeit, was anderes zu machen.

Die ersten beiden Spiele sind vorbei. Das erste, was ich heute morgen gemacht habe. IPad raus und schauen, welches Ranking ich bisher bei meinen Tipps erreicht habe !!!

Was trauen wir unseren DFB-Jung in diesem Jahr zu ? Nach den Pleiten des FCB in den letzten Wochen kann man nur hoffen, daß es unsere Nationalelf besser macht. Und eigentlich müssten Schweini und Co. ja auch hochmotiviert an die Sache rangehen… Gespannt bin ich, wer sich bei dieser EM positiv herausstellt. Auf jeden Fall ist unsere Elf wieder wie in Südafrika mit einem Durchschnittsalter von 23,5 Jahren die jüngste teilnehmende Mannschaft.

Der „Loddar“ vertritt die Meinung: „Deutschland ist für mich nicht Topfavorit . „Die EM ist so ausgeglichen, da ist Spanien, auch Holland, die Engländer, Italien oder Frankreich. Und auch Polen könnte eine besondere Rolle spielen.“ Diese Einschätzung ist auch nicht von der Hand zu weisen. Obwohl sich Polen ja gestern abend nicht gerade gut dargestellt hat. Für die deutsche Mannschaft spricht aber, dass sie viel Selbstvertrauen hat und sich alles zutraut. Der Titel ist – anders als 2008 oder 2010 – auch definitiv möglich. Warten wir es ab und hoffen das beste…..

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Der Bergbau an der Saar – mehr als 250 Jahre hat er das Gesicht unseres kleinen Bundeslandes entscheidend geprägt. In diesem Jahr schließt nun das letzte Bergwerk. Auch ich war fast genau zwanzig Jahre bei „Saarberg“ beschäftigt, genau wie mein Vater und meine Groß- und Urgroßväter.

Mitte der neunziger Jahre waren die Auflösungserscheinungen schon zu erkennen. Mit der politisch bedingten Schließung des (überaus rentablen) Bergwerks Reden-Camphausen, wo auch ich beschäftigt war, konnte man eigentlich schon erahnen, was dem Bergbau an der Saar bevorstand.

Mir hatte die Arbeit als Bergbau-Ingenieur auf meiner „Grub“ viel Spaß gemacht. Allerdings war mit dem Zurückfahren des Bergbaus auch klar, daß Aufstiegschancen innerhalb des Unternehmens eigentlich nicht mehr vorhanden waren. So fasste ich 1998 den Entschluß, dem Bergbau den Rücken zu kehren und in einem ganz anderen Wirtschaftszweig, der Unternehmensberatung, neu Fuß zu fassen, was mir meiner Meinung auch gut gelungen ist.

Wir waren zu Hochzeiten über 60.000 stolze Arbeiter, in den Dörfern und Städten geachtet. Jede zweite Familie im Saarland hat früher vom Bergbau gelebt. Das ist lange vorbei. Im Juni wird nun das einzig aktiv verbliebene Bergwerk Ensdorf seinen Betrieb einstellen. Die letzten Bergleute haben sich noch nicht von dem Schock erholt. Die Steinkohleförderung, die das Land so geprägt hat, ist Vergangenheit.

Das Bergbauende kam früher als eigentlich geplant. 2008 bebte aber die Erde in unserem kleinen Bundesland, eine Folge des jahrzehntelangen Abbaus unter Tage. Häuser und Autos wurden beschädigt, von einem Kircheneingang fielen Ornamente herab. Es bildeten sich Bürgerinitiativen gegen den Bergbau an der Saar. Zu meiner Zeit undenkbar. Aber das Ende des saarländischen Bergbaus wurde daraufhin beschlossen.

Zu diesem Thema hat die Saarbrücker Zeitung in den letzten Monaten eine Serie über den Bergbau an der Saar – von den Anfängen bis zur Gegenwart – veröffentlicht. Hier könnt ihr die Artikel nachlesen:

Die Artikel werden kontinuierlich erweitert !!!

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